file Frage Prozessfähigkeit

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24 Jun 2019 09:02 #28859 von daschafisch
Prozessfähigkeit wurde erstellt von daschafisch
Moin!

Unser Kunde fordert einen Prozessfähigkeitsnachweis, wir kennen uns nicht wirklich damit aus...
Bei EIngabe von 100 Werten, spukte Excel das Ergebnis im Anhang aus.
Dazu habe ich Fragen:
Ist 1,33 und 1,67 hier richtig?
Ist das so überhaupt richtig, wenn nicht normalverteilt?
Mit welcher Begründung ist der Prozess nicht normalverteilt? Und warum ist ein Prozess nur bedingt fähig?
Eine MSA wurde nicht durchgeführt. Ist das notwendig? Gemessen wurde mit einer 3D Messmaschine.

Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen, bevor mein Chef mich frisst... Danke! :-)
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10 Jul 2019 14:36 #28923 von Fraue90
Fraue90 antwortete auf Prozessfähigkeit
Hallo daschafisch,

zunächst mal was Prozessfähigkeit ist:
Die Prozessfähigkeit gibt uns die Berechtigung, unseren Prozess auf statistischen Grundlagen basierend per Stichprobe zu überwachen. Durch die ermittelten Ergebnisse können Eingriffs- und Warngrenzen festgelegt werden, welche man dann nutzt um den Prozess statistisch zu kontrollieren. Hierzu gibt es auch sehr hilfreiche Lektüre im Netz, einfach mal googeln. Zudem gibt es von den Automobilverbänden Vorgabebüchlein: AIAG das Buch SPC (Statistical Process Control) oder den VDA Band 4.
Alles aus den Büchern zu erklären sprengt hier etwas den Rahmen und generell ist das ganze Thema SPC sehr umfangreich.
Ich kann hier nur wärmstens empfehlen Schulungen in dem Gebiet zu machen.

Aber um hier noch auf deine Fragen einzugehen:

Generell gilt, dass ein Prozess einen cp/cpk >=1,33 erreichen muss um fähig zu sein. Jedoch sind hier die Kundenanforderungen ausschlaggebend. Ich arbeite zum Beispiel nur mit Kunden, welche cp/cpk >=1,67 fordern (cm/pp >=2,0; cmk/ppk >= 1,67)

Ob ein Prozess normalverteilt ist, hängt davon ab, ob dessen Ergebnisse sich wie nach Gauss um den Mittelwert der Messwerte orientieren. Maße, welche nicht normalverteilt sind z.B. Form- und Lagetoleranzen, einseitige min. / max. Maße.
Hier orientieren sich die Messwerte nicht am Mittelwert sondern immer zu der optimalen Grenze (in der Regel). Z.B. wird ein Prozess der eine Symmetrie von 0,2 erzeugen soll nicht darauf ausgelegt eine Sym.Abweichung von 0,1 (Mitte) zu erreichen, sondern möglichst 0.
Wichtig ist, dass man für solche Fälle die Richtige Auswertemethode verwendet. Das ganze dann per Excel abzubliden wird schwierig. Hierzu gibt es dann verschiedene Software in welcher man die Methoden auswählen kann und diese dann automatisch berechnen.

Die Einstufung als bedingt fähigen Prozess kenne ich jetzt so nicht. Es soll jedoch einige OEM und Tier 1 geben, die damit arbeiten. Ich denke das sollte den selben Charakter wie bei den MSA's haben:
Prozess fähig: Alles gut.
Prozess nicht fähig: 100% Kontrolle oder Korrektur, dass der Prozess fähig ist.
Prozess bedingt fähig: Falls sinnvoll/technisch möglich/ wirtschaftlich vertretbar sollten Maßnahmen getroffen werden um den Prozess fähig zu bekommen.

Eine MSA ist nicht zwingend notwendig. Jedoch spielt sie eine große Rolle bei der SPC. Wenn Messmittel mit hoher Streuung, bzw. schlechter Wiederhol- und Vergleichspräzision eingestzt werden, so ist die Aussagekraft der Fähigkeitsanalyse und der Messwerte ungenauer. Anbei mal eine kleine Grafik was ich damit meine.

In deiner Datei ist mir noch was aufgefallen:
Als Sollwert ist 12 mm angegeben.
Jedoch UGW mit 12,05 und OGW mit 12,10.
Ist das vielleicht ein Fehler? Wenn nein dann könntest du mal versuchen den Sollwert auf 12,075 zu liegen, also mitte Tolerierung.

Ups, jetzt habe ich fast schon etwas weit ausgeholt, aber wie du sehen kannst, das Thema hat es in sich.

Gruß,
Fraue
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