question-circle Frage Masterarbeit: Alternative/Zusätzliche Qualitätskontrollen in der Produktion

Mehr
25 Mär 2019 18:29 #28503 von AK300
Hallo Zusammen,
Ich bin Wirtschaftsingenieur und fange gerade mit meiner Masterarbeit bei einem Automobilzulieferer an. Ich habe schon bisschen Erfahrung in Sachen Qualität, aber bin schon am Anfang mit meinem Latein am Ende angekommen. Es handelt sich um folgendes Forschungsproblem.

Die Firma bei der ich die Masterarbeit schreibe, stellt Dieselpartikelfilter her und der Kunde wünscht sich eine einmalige Lieferung / Produktion von mehreren Tausend Dpf für ein neues Model.

Das Problem:
Die einmalige Produktion von X-Teilen in einem bestimmten Zeitraum. Hierbei fehlt es an Erfahrung bezüglich der Qualitätskontrollen.
Es wurde schon ein PPAP Prozess freigegeben (Ich habe ein Kontrollplan erstellt, es wurden PFMEA durchgeführt, Messmittelfähigkeitsuntersuchung, Schweißanalysen usw.)

Thema der Masterarbeit: Welche Kontrollmöglichkeiten gibt es neben der IATF16949 beschriebenen noch, um eine 100% Prüfung erfolgreich zu bestehen?

Kurz zu den vorhandenen Kontrollmechanismen in der Produktion:

1) Lekagetester für die Schweißverbindungen
-> Hier hätte ich alternativ eine Rauchgasüberprüfung zusätzlich vorgeschlagen?
2) Definierte Maße und Merkmale werden am Ende der Produktion mit einer Lehre überprüft.
3) Darüber hinaus: 100 % End of Line Prüfung. Jedes definierte Merkmal wird an jedem gefertigten Bauteil vom Maschinenbediener und von einer zweiten unabhängigen Person zu 100% überprüft.

Jetzt meine Frage: Welche zusätzlichen Qualitätskontrollen gibt es in einer Chargenproduktion noch, die angewendet werden können, um tatsächlich ein 100% perfektes Bauteil produzieren zu können. Wichtig zum Verständnis: Wenn das Bauteil einmal produziert ist oder auf dem Feld ist, gibt es keine Möglichkeit der Nacharbeit. Alles muss in vorhinein Perfekt sein.
Gibt es evlt in der Chargenproduktion von Bauteilen aus der Luft & Raumfahrtbranche Kontrollmechanismen, die ich „abkopieren“ und implementieren könnte?

Ich würde mich über paar Ideen freuen, denn die IATF regelt schon sehr viel zur Absicherung, aber ich komme einfach nicht auf zusätzlichen Methoden der Qualitätskontrollen.

Beste Grüße
André

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
27 Mär 2019 11:46 #28513 von Carsten64
Wie wäre eine automatische Prüfanlage mit Datenaufzeichnung der geprüften Werte und iO Kennzeichnung des geprüften Teiles?
MfG
C. Fette
Folgende Benutzer bedankten sich: AK300

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • tommmili
  • tommmilis Avatar
  • Offline
  • Qualitöter
  • Qualitöter
  • Ihr seid doch nur neidisch weil die leisen Stimmen nur zu mir sprechen
Mehr
08 Apr 2019 07:45 #28562 von tommmili
Hallo AK 300,
bei dem was Du schreibst stellen sich mir zunächst mal ein paar ganz grundsätzliche Fragen:
1. bezieht sich das Thema Deiner Masterarbeit tatsächlich nur auf Prüfungen des fertigen Produkts oder einer Vorstufe? Gemäß dem Motto: der beste Fehler ist der vermiedene fehlt mir bei Deiner Aufgabenstellung das Thema "Fehlervermeidung", hier bietet sich ein ganz breites Feld von direkten oder indirekten (über Parameter) Überwachung der Fertigung an. Der Ansatz einen Fehler erst gar nicht zu machen uind sich damit die lästige Pflicht vom Hals schaffen, ihn dann auch noch erprüfen zu müssen gehört m.E. zwangsweise mit dazu.
2. wer sagt daß eine Losfertigung anders überwacht werden muss, als eine kontinuierliche? Sind die Kunden der kontinuierlichen Fertigung weniger anspruchsvoll und akzeptieren jede Menge Schlechtteile?
Abgesehen davon: X Teile in Y zeit produzieren - das habt ihr bislang auch schon gemacht. Und - jede Wette - ihr habt das gesamte Produktionsvolumen auch schon immer in Teile aufgeteilt (die kann man bei entsprechender Veranlagung auch Lose nennen) - müsst ihr nämlich allein schon um die Kundenforderung der Rückverfolgbarkeit sicher zu stellen....

Also: es besteht kein Anlass, das Rad neu zu erfinden, nur weil sich ein kommerzieller Parameter geändert hat. Technisch - runtergebrochen auf die einfache Forderung: jedes Teil muss gut sein . hat sich nix geändert. Demgemäß ist es total legal, auf Bewährtes zurück zu greifen. Und nicht nur in Richtung Fehlerentdeckung denken, sondern auch Fehlervermeidung im Auge behalten.
Good luck für Deine Arbeit
Grüßle
t
Folgende Benutzer bedankten sich: AK300

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
08 Apr 2019 15:05 #28566 von AK300
Hallo Carsten64,
die Kontrolllehren sind komplett mechanisch. Hierbei versuche ich mein Augenmerk darauf zu legen, diese mit Sensoren zu bestücken, damit auch sichergestellt wird, dass der Werker auch tatsächlich die Lehre verwendet und nicht das Bauteil zur weiteren Bearbeitung weiter gereicht wird. Die Sensoren sollen jeweils nur i.O oder N.i.O Kennzeichnungen ausgeben und diese zum geprüften Bauteil für die Rückverfolgbarkeit protokollieren.

Was gibt es denn auf den Markt für automatische Prüfaufzeichnungen mit Datenaufzeichnung außer 3D Vermessungsroboter?

Grüße André

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
08 Apr 2019 15:17 #28567 von AK300
Hallo Tommili,
du hast es definitiv richtig erkannt. Es geht vieles natürlich auch um die Fehlervermeidung während der Produktion, wie z.B über die richtige Handhabung, richtiges Einlegen des Bauteils in die Vorrichtung, das Richtige Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Nein mein Thema bezieht sich nicht nur auf die Prüfung des fertigen Produkts, sondern im Allgemeinen, wie sich die Firma absichern kann, definitiv nur i.O. Teile produzieren zu können. Ich werde versuchen in diesem Zuge auch vermehrt die Fehlervermeidung und das Handling der Bauteile während der Produktion im Auge zu behalten. Z.B durch eine:
Risikoanalyse der Produktion
Risikoanalyse der kritischen Zukaufteilen. Wareineingangskontrolle evtl. verschärfen.
Mitarbeiterschulung für das richtige Handling.
Danke.
Grüße André

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • tommmili
  • tommmilis Avatar
  • Offline
  • Qualitöter
  • Qualitöter
  • Ihr seid doch nur neidisch weil die leisen Stimmen nur zu mir sprechen
Mehr
09 Apr 2019 09:06 #28568 von tommmili
Hallo,
dann bin ich erst mal beruhigt.
für eine wasserdichte Angelegenheit sollte berücksichtigt sein:
- Erststückverfahren mit 4-Augen-Prinzip
- ganz wichtig: Verifizieren von Einrichtvorgängen (ggf auch mit 4-Augen )
- hilfreich, sofern Grunddaten schon vorhanden: Überwachung von Prozessfähigkeiten, wenn da allerdings keine Daten aus der Vergangenheit vorhanden sind, ist es im Rahmen einer Masterarbeit für Serieneinsatz nicht zu realisieren
- Prüfgerätschaften so auslegen, daß im Fall einer niO-Prüfung nur weiter gearbeitet werden kann, nachdem ein Teil in die Schrottkiste gewandert ist. Ausschussbehälter abschliessen!
- wenn möglich und zutreffend: Montagevorrichtungen so auslegen, daß eine Beendigung des Montageschrittes nur möglich ist, wenn die Arbeiten vollumfänglich umgesetzt sind (mitzählende / selbstüberwachende Schrauber, eingriffüberwachte Greifbehälter etc
Aber bestimmt hast Du das alles eh schon vorgesehen!?! :-)
Grüßle
TL

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
09 Apr 2019 09:23 #28569 von AK300
Hallo TL,
Danke vielmals für deine Hinweise. Ich werde den Fokus auf deinen vierten Punkt legen, wie ich Prüfgerätschaften auslegen kann. An den Hinweis von mitzählenden / selbstüberwachenden Schrauber oder eingriffüberwachte Greifbehälter etc habe ich noch gar nicht gedacht. Gibt es hierzu empfehlende Lösungen?
Ich habe gelesen, dass es in Mai eine Fachmesse in Stuttart für Qualitätssicherung gibt. Da werde ich vorbei schauen und mir unter anderem ein Bild machen lassen, was auf dem Markt alle geboten wird.

Dankende Grüße
André

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
09 Apr 2019 09:25 #28570 von AK300
Gibt es eine Erfahrung, wie eine Risikoanalyse in einem Prozess z.B. bei mir hier der Fertigungsprozess aussehen könnte? Vieles kann ich aus einer PFMEA auslesen, aber das kann doch nicht alles sein?
Würde es Sinn machen für eine Risikoanalyse den Turtlemodel anzuwenden oder gibt es andere / bessere Methoden?
Grüße André

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • tommmili
  • tommmilis Avatar
  • Offline
  • Qualitöter
  • Qualitöter
  • Ihr seid doch nur neidisch weil die leisen Stimmen nur zu mir sprechen
Mehr
09 Apr 2019 10:09 #28574 von tommmili
Hallo,
Messe Control 7. -10.5.2019 auf dem Messegelände am Flughafen Stuttgart - sozusagen DAS Ereignis für alle Qualitöter - unbedingt empfehlenswert.
FMEA: doch, das kann alles sein. Eine richtig gut gemachte FMEA macht alle weiteren und anders gearteten Risikoanalysen (weil nix anderes ist die FMEA) obsolet. Meine bescheidene Meinung: es gibt nichts Besseres. Aber: es gibt auch nichts Aufwendigeres.

Lösungen für konkrete Prozesschrittabsicherungen kann man nur am konkreten Fall ausarbeiten. Schrauber, die sowohl Drehwinkel als auch Drehmoment überwachen nutzen irgendwie wenig wenn das ZSB zusammengeschweisst wird... In jedem Fall sind das teilespezifische Lösungen.
Grüßle
T

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
28 Mai 2019 16:42 #28742 von LemZ
Hallo Andre,

meiner Meinung nach , wenn das Unternehmen bereit ist, Geld zu investieren um definitiv nur i.O. produzieren zu können, was aber unrealistisch ist, sollte wirklich die richtige Poka Yoke Methode bereits in der Entwicklungsphase konstruieren um einen robusten einwandfreien Prozess zu haben.
Des weiteren musst du das Thema Lieferantenauswahl bzw. Lieferantauswahl im Auge behalten
billiger Lieferant => schlechte Qualität = höherer Ausschuss

Gruß
Zaki

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.