Frage Abweichungen bei Erstbemusterung, Anpassung Spezifikation?

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28 Sep 2018 11:34 #27700 von lordpaps
Hallo,

ich bin neu im Forum aber nicht neu im Business.
Als Lieferantenqualitätsmanager bin ich seit >10 Jahren auf der Kundenseite zuständig u.a. für die Qualitätsabstimmung und Erstbemusterung von Einzelteilen zum Lieferanten hin.
Ständiges Thema zwischen unserer Entwicklung und mir und meinen Kollegen im QM ist folgendes Problem:
Wenn sich im Zuge einer Erstbemusterung (nur angelehnt an VDA) Abweichungen ergeben, wird richtigerweise gemeinsam bewertet ob diese Abweichung akzeptiert werden kann oder nicht.
Manche abweichenden Merkmale können laut unserer Entwicklungsabteilung über die gesamte Lebensdauer des Teils so akzeptiert werden.
Ursache für solche Abweichungen sind oftmals lästige Angsttoleranzen oder technologisch einfach nicht besser machbar.

Unser Streitthema intern: Was muss im Falle einer "dauerhaft genehmigten Abweichung" (das ist unser interner Terminus dafür) mit unseren Vorgaben passieren?
Ich stehe auf dem Standpunkt dass die entsprechenden Vorgaben (Zeichnung, Modelle, Lieferspezifikationen etc.) an die neue dauerhaft akzeptierte Toleranzlage angepasst werden müssen -> z.B. Nennmaß oder Toleranz korrigieren -> Neue Teile-Revision.
Unsere Entwicklung steht auf dem Standpunkt dass die Spezifikation bleiben darf wie sie ist. Es muss lediglich eine Liste verfasst werden von QM die alle Abweichungen erwähnt. Bei SG-Werkzeugteilen kann das mitunter eine lange Liste werden.
Die erste Vorgehensweise spart 1 Stunde Aufwand für den Zeichner.
Die letzte Vorgehensweise kostet Ressourcen im QM und schafft aus meiner Sicht jede Menge Problempotential für die weitere Lebensdauer des Teils.

Mich interessiert wie das Thema in anderen Firmen gehandhabt wird, egal ob auf Kunden oder Lieferantenseite.
Die interne Diskussion bei uns ist sehr anstrengend und wenig konstruktiv.
Ein wenig Input von Außen würde mir eventuell helfen meinen eigenen Standpunkt neu zu überdenken und den Knoten zu lösen.
Selbstverständlich habe ich vorher gegoogelt und auch das Forum durchsucht nach dem Thema. Gefunden habe ich nichts zu dem Thema, nicht mal im englischsprachgen Raum. Das macht mich ziemlich stutzig. Entweder hat sonst niemand auf der Welt dieses Problem oder niemand spricht darüber.
Über ein paar Anregungen würde ich mich freuen.

Gruß A.Walter

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28 Sep 2018 11:53 #27701 von planespotter
Hallo,
willkommen im Club!!!

Ähnliches haben wir vor Jahren auch diskutiert und es kann hierzu (je nach Branche) m.E. nur eine Antwort geben:
Die Anpassung der Vorgabedokumente mit der Kenntlichmachung von freigegebenen / abweichenden Werten im Prüfplan oder sonstigen Unterlagen.
Prüflehren würde ich nicht zwingend anpassen, sofern nicht technisch notwendig. Hier schon eher die Korrektur einer Lehrenbeschreibung / Handhabung mit den erweiterten Toleranzen, ohne den ursprünglichen Zielwert zu verlieren.
Es sollte und muss immer das Bestreben sein, die ursprüngliche Vorgabe als Zielwert zu kennen
Eine Liste im QM zu pflegen ist weder zielführend noch liest dieses irgendeiner im Shopfloor Prozess.
Dazu kann es je nach CAQ-Software innerhalb der Q-Aufzeichnungen zu "Fragestellungen in Audits" kommen, die man als Qualitäter so nicht haben möchte.

Für signifikante oder kritische Merkmale sollte hierzu ein interdisziplinärer Freigabeprozess dokumentiert vorliegen.
VG
Andreas S.

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01 Okt 2018 13:14 #27707 von lordpaps
Hallo,
danke für die Rückmeldung.
Unsere Zeichnungsverwaltung stellt sicher dass alle Revisionen inkl. Änderungsursachen jederzeit nachvollziehbar sind.
Ich sehe ebenfalls ein Teil des Problempotentials bei unseren Lieferanten.
Diese "Abweichlisten" sind nicht Bestandteil unserer offiziellen Stücklisten, werden daher auch weder revisioniert noch an die Lieferanten kommuniziert durch unsere automatische Zeichnungsverwaltung. Unfälle sind damit vorprogrammiert.
Die Prüfmittel muss ich auf jeden Fall an das aktuell gültige Merkmal (Nennmaß + Toleranz) anpassen, egal ob das Merkmal durch die Ursprungszeichnung bestimmt wird oder durch eine ergänzende Liste.
Das Thema ist bei Audits noch nicht großartig aufgefallen, ich persönlich würde es als Abweichung werten wenn mir das bei einem Lieferanten unterkommen würde.
Vielleicht kann noch jemand aus seiner Praxis berichten?

Gruß Andreas W.

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01 Okt 2018 15:28 #27710 von o242o
Hallo Lordpaps,

Dein Thema ist durchaus ein ärgerliches und mir so auch bekannt.
Als Kunde bin ich verfechter der Datenanpassung.
Was sollen zig Zusatzdokumente bewirken?
Wenn ich den Lieferanten wechseln will, sende ich doch dann nicht Protokolle mit Abweichungserklärungen, sondern klar verständliche Daten. Also Dokumente anpassen und im ERP die Reklamation/ Bauabweichung/ Bauchschmerzen ablegen, fertig.
Schließt auf jeden Fall Folgefehlerquellen aus.
.
Als Lieferant würde ich den Wunsch so auch kommunizieren.
Möchte der Kunde allerdings seine Dokumente nicht anpassen, wird eine interne Zeichnung und angepasste Prozessdaten mit Ihm abgeklärt und die interne Zeichnung von Ihm freigegeben die dann verbindlich ist.

Viele Grüße,
Christian

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